Gastbeitrag: ETF (Exchange Traded Funds)

Gastbeitrag - Friedenberger Vermögensverwaltung

Der Ursprung der ETFs geht zurück in die 70er Jahre. Bereits damals beschäftigte man sich mit der Idee, direkt in einen Börsenindex wie den Dow Jones oder den DAX zu investieren. Der Unterschied zu den aktiv gemanagten Investmentfonds besteht darin, dass sich die börsennotierten Indexfonds keinen teuren Fondsmanager leisten, sondern lediglich computergesteuert die Wertentwicklung des hinterlegten Index abliefern.

Da sich die klassischen Fondsgesellschaften keine Konkurrenz im eigenen Hause schaffen wollten, hat es bis in die 2000er Jahre gedauert, bis internationale Großbanken ETFs auch für Privatanleger zugänglich gemacht haben. Seither sammeln die Marktführer BlackRock, Vanguard, UBS, Deutsche Bank u.v.m. Milliarde um Milliarde ein. In jüngster Vergangenheit haben die ersten Direktbanken damit begonnen, eine Robo-Advisor-Technik einzusetzen, die aus einem beliebigen Anlagebetrag automatisch ein sinnvolles ETF-Portfolio zusammenstellt.

Eine risikolose Sache sind ETFs jedoch nicht. Nicht umsonst warnt die Bundesbank in ihrem vorletzten Finanzstabilitätsbericht vor möglichen Liquiditätsengpässen bei starken Marktverwerfungen. Das bedeutet, dass die beschriebenen Indexfonds bei starkem Geldabfluss oder einem Marktcrash vom Handel ausgesetzt und damit nicht mehr verfügbar sein können. Dies ist bereits 2015 bei einer Reihe von internationalen Fonds passiert, was in der Folge zu Kursausschlägen von bis zu -30% führte.

Risikoloses Anlegen gibt es bei Wertpapieren grundsätzlich nicht, auch Gewinne können nicht garantiert werden. Wer jedoch Vermögen aufbaut oder fällige Gelder anlegt, sollte einen überschaubaren Anteil an ETFs im Depot haben. Beim Kauf innerhalb unserer Vermögensverwaltung achten wir zusätzlich auf das Merkmal „replizierend“. Der Ausfall eines Vertragspartners (siehe Insolvenzfall Lehman Brothers, 2008) ist somit ausgeschlossen. Investmentfonds, egal ob aktiv oder passiv gemanagt, haben den Status Sondervermögen und sind stets insolvenzgeschützt.

Franz Achatz
Vermögensberater

Gerhard Friedenberger Vermögensverwaltung und Family Office GmbH
www.friedenberger-vermoegensverwaltung.de

Steuerliche Beurteilung eines ETF

Exchange Traded Funds erfreuen sich, wie eingangs beschrieben immer größerem Zulauf. Das Anlageprodukt ist je nach Ausgestaltung steuerlich unterschiedlich zu behandeln.

Im Grundsatz unterliegen ETF der Abgeltungssteuer (Kapitalertragssteuer) und werden somit mit 25 % Kapitalertragssteuer und 5,5 % Solidaritätszuschlag besteuert. Hinzu kommt im persönlichen Falle noch die Kirchensteuer von 8 % oder 9 %.

Die Aussage im "Grundsatz" ist deshalb entscheidend, da bei ETF unterschiedliche Möglichkeiten vorhanden sind. ETF gibt es replizierend, thesaurierend, ausschüttend, unter Anwendung von Sampling oder synthetisch (Swap-basiert). Die unterschiedlichen Ausprägungen können durch ein breites Angebot einen Index auf unterschiedliche Weise abbilden.

Des Weiteren ist die steuerliche Behandlung auch abhängig vom Fonds Domizil.

Steuereinfach

Ein steuereinfacher ETF unterliegt wie oben beschrieben der Abgeltungssteuer, dies gilt sowohl für laufende als auch Erträge aus der Veräußerung.

Die Abgeltungssteuer ist hier sowohl Segen als auch Fluch. Da ETF minimale laufende Kosten beinhalten und Kosten bei Erwerb und Veräußerung anfallen. Der Abzug dieser Kosten als Werbungskosten innerhalb der Anlage KAP ist jedoch seit 01.01.2009 nicht mehr möglich. Hier kann bei Abgabe der Steuererklärung lediglich der Sparer-Pauschbetrag 801,00 € (Einzelveranlagung) oder 1.602,00 € (Zusammenveranlagung) angesetzt werden.

Laut Gesetzgeber sollen hiermit die Kosten gedeckt sein. Das bedeutet im Detail, dass erst Erträge ab überschreiten der Freibeträge zu besteuern sind. In diesem Fall dann auch erst der Ertrag der über dem Freibetrag liegt. Zum Beispiel wären bei Kapitalerträgen von 802,00 € nur 1,00 € steuerpflichtig.

Steuerhässlich

Der Begriff steuerhässlich kommt aus dem Internet, da dort versucht wurde die Situation der Besteuerung klar zu formulieren. Man könnte diese ETF auch steuerkomplex, nachgelagert besteuerte oder verschleiert besteuert bezeichnen. Der Grund ist, dass diese ETF nicht replizierend sind. Das bedeutet, die Anteile an einer Gesellschaft werden nicht direkt erworben.

Steuerhässliche ETF weißen daher immer Besonderheiten auf. Sie sind nicht replizierend, sie sind thesaurierend, Swap-basiert oder synthetisch. Diese steuerhässlichen ETF können dazu führen, dass Erträge zu versteuern sind, welche nicht geflossen oder realisiert wurden, da Sie im Fonds verbleiben.

Ein weiteres Indiz für steuerhässliche ETF ist, dass das Fonds Domizil im Ausland liegt. In diesen Fällen kann es zu einer Doppelbesteuerung bei Erträgen oder bei Verkauf kommen.

Wie prüft man einen Fonds, ob er steuereinfach oder steuerhässlich ist? Es gibt zahlreiche Online-Portale welche die Daten des Bundesanzeigers prüfen und auf Ihrer Seite veröffentlichen.

Wenn Sie es genau prüfen wollen, können Sie sich in diesem Zusammenhang selbst informieren. Dies können Sie über die Seite des Bundesanzeigers, auf dieser Seite sucht man mit Hilfe der ISIN den jeweiligen Fonds (Suchbereich: Kapitalmarkt). Wenn der Fonds angezeigt wird, klicken Sie auf Besteuerungsgrundlage des jeweiligen Jahres. Danach müssen Sie über die Browser-Suche nochmals die ISIN suchen.

Wenn unter dem Punkt § 5 b "Ausschüttungsgleiche Erträge" eine 0,0000 erfasst ist, ist der gesuchte ETF steuereinfach. Ansonsten ist der ETF steuerhässlich, wenn unter diesem Punkt ein Betrag erfasst ist.

Beratertipp

Für viele ist es wichtig langfristig und nachhaltig für sich und Ihre Kinder Vermögen aufzubauen. ETF können vor allem durch die "Sparplanfähigkeit" mit Beträgen ab 25 € erworben werden. Der Kauf von ETF unabhängig der Marktlage mit gleichen Beträgen bietet die beste Rendite in Abhängigkeit des Risikos.

Unser Tipp lautet replizierend, ausschüttend und steuereinfach. Damit sind Sie sowohl steuerlich als auch langfristig auf der sicheren Seite.

Zum Abschluss ein kleiner Einblick in das Testament von Warren Buffet. Auch er setzt für seine Frau auf passive Investments. (Beitrag: Manager Magazin)

Wichtige Hinweise: Dieses Dokument stellt keine Finanzanalyse im Sinne des § 34b WpHG, keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf von Finanzinstrumenten dar. Es ersetzt keine rechtliche, steuerliche und finanzielle Beratung. Die in diesem Dokument enthaltenen Aussagen basieren auf allgemein zugänglichen Quellen und berücksichtigen den Stand bis zum Tag vor der Veröffentlichung. Nachträglich eintretende Änderungen können nicht berücksichtigt werden.

 

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