Aufwendungen eines Arbeitnehmers für Geburtstagsfeiern doch als Werbungskosten anerkannt

Rechnungen über Jubelfeste von Arbeitnehmern, Unternehmern oder Gesellschafter-Geschäftsführern, die in der Buchhaltung als Firmenkosten aufgezeichnet wurden, sorgen seit jeher für Kontroversen mit dem Finanzamt. Gewinner war meist das Finanzamt. Aktuell hat der BFH jedoch auch einmal zugunsten des Steuerpflichtigen entschieden. Nach dem aktuellen Urteil können Aufwendungen für eine Feier anlässlich eines Geburtstags trotz des herausgehobenen persönlichen Ereignisses je nach den Umständen des Einzelfalls ausnahmsweise ganz oder teilweise beruflich veranlasst sein.

 

Sachverhalt

Streitig war, ob Aufwendungen eines angestellten GmbH-Geschäftsführers für die Feier anlässlich seines runden Geburtstags als Werbungskosten zu berücksichtigen sind. Der Steuerpflichtige war im Streitjahr (2011) alleiniger Geschäftsführer einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (GmbH). Er ist städtischer Beamter und seit Juli 2002 beurlaubt, um die Geschäfte der GmbH – befristet auf fünf Jahre mit einer Verlängerung um weitere fünf Jahre – zu führen.

Der Steuerpflichtige vollendete im Streitjahr sein 60. Lebensjahr. Anlässlich seines Geburtstags lud er sämtliche Mitarbeiter der GmbH sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden (insgesamt ca. 70 Personen) in eine Werkstatthalle des Arbeitgebers ein. Der Arbeitgeber war in der Organisation der Geburtstagsfeier eingebunden. Die Werkstatthalle wurde für die Feierlichkeit im Mobiliar des Arbeitgebers (Bierzeltgarnitur) ausgestattet. Die Feier fand an einem Freitag von 12 Uhr bis 17 Uhr statt. Ein Teil der Gäste erschien in Arbeitskleidung. Die Kosten der Feier beliefen sich auf ca. 35 EUR pro Person. Daneben fanden private Geburtstagsfeiern des Steuerpflichtigen mit deutlich höheren Kosten statt.

Die Aufwendungen von insgesamt 2.470 EUR machte der Steuerpflichtige als Werbungkosten geltend. Das FA lehnte dies unter Hinweis auf das Abzugsverbot des § 12 EStG ab.

 

Entscheidung

FG und letztlich auch der BFH gaben dem Begehrten des Steuerpflichtigen jedoch statt.

Ob die Aufwendungen beruflich oder privat veranlasst sind, hängt in erster Linie vom Anlass der Feier ab. Allerdings ist der Anlass einer Feier nur ein erhebliches Indiz, nicht aber das alleinentscheidende Kriterium für die Beurteilung, ob es sich um eine berufliche oder private Veranlassung der Bewirtungsaufwendungen handelt. Denn trotz eines herausgehobenen persönlichen Ereignisses kann sich aus den übrigen Umständen des Einzelfalls ergeben, dass die Aufwendungen für die Feier beruflich veranlasst sind.

Umgekehrt begründet ein Ereignis in der beruflichen Sphäre allein nicht die Annahme, die Aufwendungen für eine Feier seien (nahezu) ausschließlich beruflich veranlasst. Denn auch diese Ereignisse werden häufig im Rahmen eines privaten Festes unter Einschluss befreundeter Arbeitskollegen begangen. Ob die Aufwendungen Werbungskosten sind, ist daher anhand weiterer Kriterien zu beurteilen.

So ist von Bedeutung, wer als Gastgeber auftritt, wer die Gästeliste bestimmt, ob es sich bei den Gästen um Kollegen, Geschäftsfreunde oder Mitarbeiter (des Steuerpflichtigen oder des Arbeitsgebers), um Angehörige des öffentlichen Lebens, der Presse, um Verbandsvertreter oder um private Bekannte oder Angehörige des Steuerpflichtigen handelt.

Zu berücksichtigen ist außerdem, an welchem Ort die Veranstaltung stattfindet, ob sich die finanziellen Aufwendungen im Rahmen vergleichbarer betrieblicher Veranstaltungen bewegen und ob das Fest den Charakter einer privaten Feier hat.

Da Personen, die zusammen arbeiten, häufig auch private Kontakte untereinander pflegen, kann für die Zuordnung der Aufwendungen zum beruflichen oder privaten Bereich auch bedeutsam sein, ob nur ausgesuchte Arbeitskollegen eingeladen werden oder die Einladung nach allgemeinen Kriterien ausgesprochen wird.

Werden Arbeitskollegen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten betrieblichen Einheit (z. B. alle Arbeitnehmer einer Abteilung) oder nach ihrer Funktion, die sie innerhalb des Betriebs ausüben (z. B. alle Außendienstmitarbeiter oder Auszubildenden), eingeladen, legt dies den Schluss nahe, dass die Aufwendungen für diese Gäste (nahezu) ausschließlich beruflich veranlasst sind, und zwar auch dann, wenn der Steuerpflichtige zu einzelnen dieser nach abstrakten berufsbezogenen Gründen eingeladenen Kollegen freundschaftlichen Kontakt pflegen sollte. Werden demgegenüber nur einzelne Arbeitskollegen eingeladen, kann dies auf eine nicht nur unerhebliche private Mitveranlassung der Aufwendungen für diese Gäste schließen lassen und ein Abzug deshalb ausscheiden.

Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze waren im Streitfall die Aufwendungen des Steuerpflichtigen für die Feier aus Anlass seines 60. Geburtstags so gut wie ausschließlich beruflich veranlasst. Das FG hatte die ausschließlich berufliche Veranlassung der Veranstaltung zutreffend u. a. damit begründet, dass neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden – einer Person aus dem beruflichen Umfeld des Steuerpflichtigen – ausschließlich Mitarbeiter der GmbH eingeladen waren und der Arbeitgeber in die Organisation der Veranstaltung eingebunden und damit zumindest mittelbar an deren Kosten beteiligt war. Die Kosten beliefen sich auf maßvollem Niveau (ca. 35 EUR pro Person bei ca. 70 Gästen). Der Veranstaltungsort war die mit Bierzeltgarnituren hergerichtete und einfach geschmückte Werkstatthalle des Arbeitgebers und die Veranstaltungszeit – freitags von 12 Uhr bis 17 Uhr – zumindest teilweise während der Arbeitszeit.

 

Hinweis: Nicht zu beanstanden ist, dass der Steuerpflichtige selbst und nicht sein Arbeitgeber zu der Geburtstagsfeier eingeladen hat.

Quelle: IWW

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